Ein halbes Jahrhundert Heimat des FC Remscheid

Als die Stadt Remscheid Ende Juni 2026 das endgültige und dauerhafte Aus für das Remscheider Röntgen-Stadion verkündete, schlug der Beschluss hohe Wellen in der Region. Enttäuschung und Unverständnis über das abrupte Ende des einstigen „Schmuckkästchens“ herrschten vor.
Das Stadion war seit 1976 nach dem damaligen Landesliga-Aufstieg des BV 08 Lüttringhausen die Heimspielstätte des heutigen FC Remscheid, also genau 50 Jahre lang. Während dieser Zeit haben die Zuschauer im Stadion eine Menge erlebt. Grandiose Aufstiege, tränenreiche Abstiege, spannende Pokalduelle, bergische Derbys und nicht zuletzt die Auftritte zahlreicher Fußballgrößen in Remscheid.
Eröffnet wurde das Stadion am 2. August 1925 als „Kampfbahn für Turnen und Sport“. Viele Jahre später, Mitte der 1970er, wurde eine kleine Sitzplatztribüne errichtet, bis zuletzt wurde sie als Pressetribüne genutzt. Mit dem steilen Aufstieg des BV 08 Lüttringhausen bis in die 2. Fußball-Bundesliga musste die Sportanlage im Stadtteil Lennep den neuen Erfordernissen im Profifußball angepasst werden. So wurde ab 1981 das gesamte Stadion neu gebaut, lediglich die kleine Pressetribüne blieb erhalten. Die Baukosten für das „Stadion Lennep“, wie es damals noch hieß, wurden mit ca. 2,4 Millionen DM beziffert. Zunächst bot die neue Arena Platz für 15.300 Zuschauer, später wurde die Kapazität auf 12.463 Plätze korrigiert, davon 2.168 überdachte Sitzplätze.
Am 17. Oktober 1982 wurde das nagelneue Stadion mit der Partie des Zweitligisten BV 08 Lüttringhausen gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 gebührend eröffnet. 12.000 Zuschauer sahen einen starken BVL 08, der dem Bundesligisten beim 1:1 alles abverlangte. Mit seinem 1:0-Führungstor war BVL-Stürmer Lothar Steinhauer der erste Torschütze im neuen Stadion.
Als der FC Remscheid 1991 den dritten Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte, erhielt die Arena den neuen Namen „Röntgen-Stadion“, benannt nach dem in Lennep geborenen Physik-Nobelpreisträger. Wenige Wochen später wurde eine elektronische Anzeigetafel in der Nordkurve installiert. Damit war der FCR für das erneute Abenteuer Profifußball gerüstet.
Während der fünf Jahrzehnte saßen so einige prominente Trainer auf der Trainerbank des Stadions in Lennep. Mit Udo Lattek, Alex Ferguson, Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes oder Felix Magath sind nur einige genannt. Auf dem grünen Rasen zeigten Spieler wie Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald, Jogi Löw, Toni Polster, Jürgen Klopp oder Michael Ballack ihr Können. Die Liste bekannter Namen ließe sich endlos fortsetzen.
Das Stadion hat viele große Spiele erlebt. Da waren in erster Linie natürlich die Spiele in der 2. Bundesliga und die packenden Duelle im DFB-Pokal oder die internationalen Freundschaftsspiele. 1982 schickte der BVL 08 die Stuttgarter Kickers mit Klinsmann und Buchwald mit einer 4:1-Packung zurück ins Schwabenland. 1983 trat Lüttringhausen gegen den amtierenden Europacupsieger FC Aberdeen an (0:3). 1984 folgte das große DFB-Pokal-Duell gegen den FC Bayern München vor 15.000 Zuschauern, bei dem die Elf von Trainer Udo Lattek mit dem Jungstar Lothar Matthäus nur mit viel Glück und einem denkbar knappen 1:0-Sieg die nächste Runde erreichte. Es folgte der Gewinn der Deutschen Fußball-Amateurmeisterschaft im Jahr 1986 im eigenen Stadion gegen den VfR Bürstadt.
Später warf der BVL 08 mit dem 1.FC Kaiserslautern (3:0) einen Bundesligisten aus dem DFB-Pokal. Das gleiche Kunststück gelang dem inzwischen in FC Remscheid umbenannten Club 1990 beim 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Danach folgte der dritte Aufstieg in die 2. Bundesliga. Mit dem entscheidenden 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg erlebte das Stadion einen weiteren Höhepunkt. Die immer hochemotionalen bergischen Derbys in der Oberliga und in der 2. Bundesliga gegen Union Solingen und gegen den Wuppertaler SV vor stets großer Kulisse werden den Fußballanhängern ebenfalls in bester Erinnerung bleiben.
Erst nach der Insolvenz des Regionalligisten FC Remscheid im Jahr 1998 und den daraus resultierenden Abstiegen bis in die Landesliga verlor das Stadion mehr und mehr an Bedeutung. Im August 2018 trat mit Fortuna Düsseldorf noch einmal ein Bundesligist im Röntgen-Stadion zu einem Freundschaftsspiel an. Einen letzten großen Tag erlebten 3.000 Zuschauer im August 2023 beim Niederrhein-Pokalspiel des FCR gegen den damaligen Regionalliga-Tabellenführer Wuppertaler SV. Beim 1:2 waren die Blau-Weißen erst in der Verlängerung am WSV gescheitert.
Das allerletzte Fußballspiel im Röntgen-Stadion verlor der Landesligist FCR am 31. Mai 2026 gegen den SC Mennrath mit 0:2 Toren. Passend zu einer enttäuschenden Saison kassierte Remscheid beide Gegentore erst in der Nachspielzeit der Partie.
Die Stadt Remscheid investierte in den letzten Jahren nur noch das allernötigste in das einstige Vorzeige-Stadion. So war es wenig verwunderlich, dass nach und nach einige Bereiche in der Sportanlage marode wurden. Das Ergebnis war zunächst die Sperrung der Haupttribüne sowie der Nordkurve im Jahr 2024. Mit der vollständigen und dauerhaften Schließung wegen der nicht mehr vorhandenen Verkehrssicherheit beendete die Stadt Remscheid im Juni 2026 endgültig das Kapitel „Röntgen-Stadion“. Remscheids Fußball-Tempel gibt es nicht mehr, sehr zum Leidwesen vieler Sportfreunde im Bergischen Land.
Aufnahme der nachfolgenden Fotos: Sommer 2026
Fotograf 1982 (4 Fotos des Eröffnungsspiels): Hans Lenz (†), Genehmigung zur Veröffentlichung durch Claudia Lenz
Fotograf 2026: Stefan Kissing, www.niederrhein-fotografie.de, Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt
Text und Plakat: Jürgen Somborn, Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt




































































































































































